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Fronleichnamsprozession in Oberöwisheim: Gottes Gegenwart feiern

23. Juni 2017

Zum Fronleichnamsfest wurde am Donnerstag, den 15. Juni ein Open-Air Gottesdienst mit anschließender Prozession in Oberöwisheim gefeiert. Der folgende Artikel erschien auch in Ausgabe 25 des Kraichtalboten!

Zahlreiche Helfer und Ministranten hatten am Morgen den traditionellen Blumenteppich in der Planstraße arrangiert. Der Gottesdienst wurde von Pater Joseph Chovelikudiyil, genannt “Pater Joseph”, und Pfarrer im Ruhestand Josef Östringer zelebriert. Perfektes Sommerwetter und die Harmonie unter den Mitwirkenden boten einen perfekten Rahmen für dieses hohe Kirchenfest.

Für die musikalische Begeleitung sorgten der Frauenchor und der Musikverein. Anwohner hatten entlang des Prozessionswegs wieder ihre Hauseingänge und Fenster mit Fähnchen, Kerzen und Altären mit Heiligenfiguren geschmückt. Die Kommunionkinder feierten diesen besonderen Gottesdienst in ihrer Festkleidung mit, hatten sie doch gerade ein paar Wochen zuvor das erste Mal die heilige Kommunion empfangen, um die es ja auch bei Fronleichnam geht.

Fronleichnam 2017 in Kraichtal-Oberöwisheim

Zur Geschichte

Der Name Fronleichnam leitet sich vom Mittelhochdeutschen “Vron” ab, was “den Herrn betreffend” bedeutet, sowie “Lichnam”, das heißt “Körper” oder “Leib”. Das Fest wird an einem Donnerstag gefeiert, weil auch das letzte Abendmahl Jesu mit seinen Jüngern an einem Donnerstag stattfand. Offiziell für die ganze Kirche eingeführt hat Papst Urban IV. das Fest im Jahr 1264. Die erste Fronleichnamsprozession fand 1279 in Köln statt.

Die Wandlung spielt während der Messe eine große Rolle, deshalb wird die Hostie den Anwesenden in der Monstranz, einem golden geschmückten Behältnis, auf eine besondere Art präsentiert. Viele Jahrhunderte stritten sich die Gelehrten über die Wandlung, die sogenannte Transubstantiation. Aristotelisch gerpägte Philosophien unterscheiden zwischen der äußeren Erscheinung und der inneren Wirklichkeit, der Substanz.

Fronleichnam 2017 in Kraichtal-Oberöwisheim

Da nun die aristotelische Zeit schon eine ganze Weile her ist und sich das christliche Abendland geistig weiterentwickelt hat, ist man zu einer ganzheitlichen Ansicht gelangt und betrachtet heute das Symbolische als mit dem Materiellen verwoben. Insofern befindet sich Christus durchaus in Brot und Wein, aber eben nicht nur dort. Möchte man jedoch äußerlich darstellen, worum es auf der immateriellen Ebene geht, so ist das Fronleichnamsfest eine ideale Gelegenheit. Mit der liturgischen Feier, dem Gesang und der Musik wird dem Glauben ein Rahmen gegeben.

Das eigene Christ-Sein nicht verstecken

In der Predigt in Oberöwisheim wurde deutlich, dass man zu seinem Glauben als Christ stehen darf und ihn nicht vor der Welt verleugnen muss. “Gott ist die Liebe” war auf dem Altar zu lesen und unter dieser Impression stand der gesamte Gottesdienst. Seinen einzigen Sohn gab Gott zur Erettung der Menschen. Das größte Opfer, das man sich vorstellen kann. Jesus gab sich selbst ganz hin. Er besiegte den Tod und vollbrachte das ultimative Liebeswerk, das schwer in Worte zu fassen ist. Dann erschien er ein letztes Mal und bewies damit seinen Sieg, fuhr auf zum Himmel und sitzt nun zur Rechten Gottes.

Doch war Christus damit aus der Welt? Ist er da oben im Himmel und wir hier unten? Absolut nicht. Er ist immer gegenwärtig und dies soll beim Fronleichnamsfest ausgedrückt werden. In der Eucharistie, was wörtlich “Danksagung” heißt, gedenken die Katholiken nicht nur dem letzten Abendmahl Jesu. Das Sakrament stellt ein sichtbares Zeichen der Gegenwart Gottes dar. In Brot und Wein wird deutlich, dass Jesus selbst die Nahrung – die geistige Nahrung – für die Menschen ist. Mit dem physischen Körper essen und trinken wir irdische Speisen, ohne die wir nicht überleben können. Im Glauben wird Jesus selbst für uns zur Speise für unseren Geist, damit dieser gestärkt wird und nicht zu Grunde geht. Beim letzten Abendmahl gab Jesus seinen Jüngern das Geschenk, mit dem ihm noch heute auf der ganzen Welt in Form der Eucharistiefeier gedacht wird.

Fronleichnam 2017 in Kraichtal-Oberöwisheim

Was heißt das, die Gegenwart Gottes?

Weil es ziemlich schwierig ist, sich innerhalb des alltäglichen Geschehens Zeit zu nehmen und über Dinge nachzudenken, die einer tieferen geistigen Dimension angehören, gibt es Rituale und immer wiederkehrende Handlungen, die einen Rahmen und eine Struktur vorgeben, innerhalb derer das Denken auf eine symbolische Art angeregt wird. “Symbolisch” heißt dabei nicht “unreal”.

Fronleichnam 2017 in Kraichtal-Oberöwisheim

Und so wird dann auch die Hostie in der Monstanz als Symbol für die Gegenwart Jesu bei der Fronleichnamsprozession durch die Straßen zur Kirche getragen. Pfarrer Östringer ließ es sich auch in diesem Jahr nicht nehmen, diese würdevolle Aufgabe durchzuführen. Vor Beendigung des Gottesdienstes in der Kirche wurde noch gesungen und Pater Joseph sprach den Segen.

Aber ist der Gottesdienst jemals beendet? Ziel für einen Christen ist es, sein ganzes Sein in einen Gottesdienst zu verwandeln, ob er an einer Zeremonie teilnimmt oder nicht. Feste wie Fronleichnam helfen uns dabei, innezuhalten und in die Tiefe zu gehen, um sich zu vergegenwärtigen, wer immer da ist, wen man aber im Alltagstrott leicht übersieht…

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